K
O W L O O N
Der
Name Kowloon bezeichnet die Landzunge, die das chinesische
Kaiserreich nach dem zweiten Opiumkrieg 1860 an Großbritannien
abtreten mußte. Um den Hafen von Hong Kong besser
zu schützen und den Schiffsverkehr zu kontrollieren,
strebten die Briten die Errichtung eines Stützpunktes
an. Auf den Felsen und Feldern entstanden zunächst Lagerhäuser
und Quartiere für das Militär und die Wasserpolizei.
Erst nach der Jahrhundertwende wurde Kowloon zum Wohnviertel
der Europäer und mit dem Bau der Eisenbahn zum Verkehrsknotenpunkt.
Die
meisten Besucher von Tsim Sha Tsui, dem südlichen
Teil der Halbinsel Kowloon, benötigen keine Beschreibung
der Sehenswürdigkeiten, denn hier geht es nicht um Geschichte
und Kultur, sondern um Kaufrausch. In den großen Einkaufszentren
wie Ocean Centre neben dem Star Ferry Pier an
der Westseite der Halbinsel, im New World Centre an
der Südostspitze von Kowloon oder in den Einkaufspassagen
der Hotels, den zahlosen Kaufhäusern und kleineren Geschäften
auf der Nathan Road sowie deren Seitenstraßen
werden nahezu alle Kaufgelüste befriedigt. Die Läden
mit Seidenartikel, schicker Mode, preiswerten Jeans, Goldschmuck,
Perlen oder Kunsthandel und Elektronik haben bis spät
abend geöffnet.
Ein
Streifzug durch Tsim Sha Tsui - der Name bedeutet 'scharfe
Sandspitze' und wird 'tschim-saa-tscheu' ausgesprochen - ist
jedoch auch aus historischen Gesichtspunkten lohnend. Die
kurz Route läßt sich mit einem Museumsbesuch, einer
Erholungspause im Kowloon Park oder einem Einkaufsbummel
verbinden und somit auf einen ganzen Tag ausdehnen.
Ausgangspunkt
ist der Star Ferry Pier, von dort geht es rechts entlang der
Hafenpromenade. Früher konnte man von der Fähre
in einen Zug steigen, denn hier befand sich der Hauptbahnhof.
An diesen , der 1975 in den Stadtteil Hung Hom verlegt
wurde, erinnert nur noch der Clock Tower. Die
Uhr des 44 m hohen, 1915 errichteten Turms funktionierte nie
richtig.
Auf
dem ehemaligen Bahnhofsgelände entstand in den 80er Jahren
das Hong Kong Cultural Centre, dessen fensterlose Fassaden
einen wenig attraktiven Gegensatz zum alten Uhrturm bilden.
Sie bergen aber eine große Bereicherung des kulturellen
Lebens von Hong Kong: eine Konzerthalle mit über
2000 Plätzen, eine 1750 Zuschauer fassendes Theater sowie
ein kleineres Studiotheater und Ausstellungsräume. Nebenan,
im 1992 fertiggestellten Hong Kong Museum of Art kann
man kostbare Kunstschätze betrachten. Mit zwei Abteilungen
für Malerei und Kalligraphie so wie einer Porzellan und
Kunsthandwerk aus vielen Dynastien gewidmete Galerie verfügt
Hong Kong über eine hervorragende Sammlung chinesischer
Kunst. Den dritten Teil des Kulturzentrums bildet das 1980
eröffnete Hong Kong Space Museum. Die weiße
Halbkugel beherbergt ein Planetarium und Ausstellungen über
das All, das Sonnensystemen die Raumfahrttechnologie. Die
Eingänge zum Cultur Centre und den Museen befinden sich
auf der Salisbury Road.
Überquert
man die Salisbury Road, steht man vor dem 1928 eröffneten
Peninsula Hotel. Ich kann dieses Hotel nur sehr empfehlen,
der Service ist feine englische Art und das Hotel bietet ein
gediegenes 20er Jahre Ambiente. Hier gibt es sogar noch den
Five-O'Clock-Tea, der in der im viktorianischen Stil gehaltenen
Lobby zelebriert wir, mit einem echten Orchester, ein absoluter
Traum.

Peninsula
Five-O'Clock-Tea

Neben
dem Peninsula beginnt die Nathan Road, die Goldene Meile von
Kowloon. Als Sir Mathew Nathan, Hong Kongs Gouverneuer
von 1903 bis 1907, die schnurgerade Allee als breiten, von
Bäumen gesäumten Boulevard anlegen ließ, erntete
er den Spott seiner Zeitgenossen, die den Sinn einer Prachtstraße
in einer wenig frequentierten Gegend nicht verstanden. Heute
schiebt man sich durch das Gedränge.
