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Gedichte rund um Schwäne

Rainer Maria Rilke
1875-1927

Das sind die Gärten, an die ich glaube
19.11.1897, Berlin-Wilmersdorf

Das sind die Gärten, an die ich glaube:
Wenn das Blühn in den Beeten bleicht,
und im Kies unterm löschenden Laube
Schweigen hinrinnt, durch Linden geseiht

Auf dem Teich aus den glänzenden Ringen
schwimmt ein Schwan dann von Rand zu Rand.
Und er wird auf den schimmernden Schwingen
als erster Milde des Mondes bringen
an den nicht mehr deutlichen Strand.

~

Rainer Maria Rilke
1875-1927


Leda

Herbst 1907, Paris, oder Frühling 1908, Capri

Als ihn der Gott in seiner Not betrat,
erschrak er fast, den Schwan so schön zufinden;
er liess sich ganz verwirrt in ihm verschwinden.
Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat,
bevor er noch des unerprobten Seins
Gefühle prüfte. Und die Aufgetane
erkannte schon den Kommenden im Schwane
und wusste schon: er bat um Eins,

das sie, verwirrt in ihrem Widerstand,
nicht mehr verbergen konnte. Er kam nieder
und halsend durch die immer schwächere Hand
lies sich der Gott in die Geliebte los.
Dann erst empfand er glücklich sein Gefieder
und wurde wirklich Schwan in ihrem Schoß.

~

Und eines Tages

holt der Himmel dich ein
Wolken wandern ins Blaue
Vogelschwärme fliegen davon
Schwäne ziehen weiter ihre Bahn
Flüsse verlieren sich ins Meer
der Baum verharrt in stummer Geste
Vertrautes verklingt im letzten Lied
wenn der Himmel dich einholt
im Lauf durch die Zeit

Verfasser unbekannt

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Schwan

© by Martina -  August 2004